Warum fühlen sich manche Geschichten queer an?
Shownotes
In dieser Solo-Folge nehme ich euch mit in einen Gedanken, der mich in den letzten Wochen nicht losgelassen hat. Ausgelöst durch Six - The Muscial, Mother Mary, Wicked und House of the Dragon frage ich mich: Warum erkennen manche Menschen eine queere Ebene in Geschichten sofort, während andere sie überhaupt nicht sehen?! Es geht um Frauenbeziehungen, die vorschnell als „nur Freundschaft“ gelesen werden, über das, was zwischen den Zeilen passiert. Eine Folge über Sichtbarkeit, Interpretation und die Frage, ob Queerness wirklich immer ausgesprochen werden muss, um da zu sein?
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00:00:00: Herzlich Willkommen zu Frau Verliebtem Lesbischen Podcast.
00:00:04: Und in dieser Episode möchte ich einfach ein bisschen meine Gedanken mit euch teilen, denn ich habe in den letzten Tagen und Wochen ein paar Beobachtungen gemacht die immer wieder die Frage in mir aufgebracht haben warum fühlen sich manche Geschichten Queer an auch wenn sie gar nicht explizit Queer werden?
00:00:25: Und darüber werde ich jetzt ein bisschen philosophieren.
00:00:28: Viel Spaß!
00:00:39: Ich habe mir neulich das Musical Six angeguckt, die sind gerade auf internationaler Tour eben unter anderem auch in Deutschland unterwegs und ich bin in dieses Stück reingegangen und schon bevor ich im Saal saß ist es mir aufgefallen dass auffallend viele eindeutig queere Personen im Publikum waren.
00:01:03: Also Leute, die mit Regenbogenflaggen rumgelaufen sind oder auf dem T-Shirt stehen hatten, dass sie sich Queer einsortieren.
00:01:10: und da habe ich mich direkt gefragt wieso?
00:01:15: Denn an Six The Musical ist jetzt so oft den ersten Blick eigentlich nichts wirklich queer.
00:01:23: in dem Stück geht es um die sechs Ehefrauen von Heinrich dem Achten die als Girlgroup auftreten und alle so der Reihe nach ihre Geschichte besingen, die eben in der Geschichte im Verlauf ziemlich untergegangen ist.
00:01:40: Weil alle so im Schatten ihres berühmten Mannes standen, der eine nach der anderen quasi von ihnen aus dem Weg geräumt hat.
00:01:50: Also hier ist zumindest keine klare queere Thematik an der Oberfläche zu erkennen.
00:01:56: Hier gibt es keine Queeren Love Story zum Beispiel und auch kein explizit queeren Charakter.
00:02:04: Aber da kam ich dann drauf, es geht darum die eigene Geschichte zu erzählen.
00:02:10: also diese Frauen besingen alle ihre Story jetzt als Hauptfigur ihrer ihres Lebens und erzählen quasi die Story die von Patriarchat kleingehalten oder verschwiegen worden ist.
00:02:25: Und das ist eine Erfahrung, die kennen queere Personen genauso wie Frauen eben.
00:02:31: Weil wir nun einmal im Verlauf der Geschichte durchaus viel ignoriert und verschwiegen worden sind weil die Geschichtsbücher nun mal leider von Männern geschrieben wurden.
00:02:43: Ich glaube da hängt diese empauernde Qualität des Stücks mit zusammen.
00:02:48: Es ist einfach sehr bunt und sehr kraftvoll.
00:02:51: Und man geht mit guter Laune raus, so mit dem Gefühl das man eben seine Story selber in der Hand hat und erzählen sollte... ...und im Übrigen habe ich auch gehört dass die Autorin Queer sein sollen!
00:03:02: Also kann ich verstehen, dass hier ein nicht explizit queeres Stück als irgendwie queer empfunden und angenommen wird?
00:03:10: Ich bin auf jeden Fall jetzt auch Fan.
00:03:13: Jetzt ein anderes Beispiel aus den letzten Wochen, wo die ganze Sache halt ein bisschen anders liegt.
00:03:19: Ich habe mir den Film Mother Mary angeschaut.
00:03:22: In Mother Mary geht es um einen Superstar Mother Mary Die zu einer Designerin kommt und von ihr ein Kleid haben möchte Und wir lernen sehr früh dass die Gesängerin und die Designerin offensichtlich eine Vorgeschichte miteinander haben so aber sie legen uns jetzt hier nicht klar da, was das Problem ist, was sie miteinander haben.
00:03:45: Aber irgendwie liegt da den ganzen Film über eine heftige Spannung in der Luft und offensichtlich hat es ganz auch mit Herzschmerz und Enttäuschung zu tun, was die beiden verbindet.
00:03:59: Und für mich war sehr schnell ziemlich klar dass hier sehr wahrscheinlich eine nicht geglückte oder nicht mögliche Liebesbeziehung zwischen diesen beiden Charakteren in der Vergangenheit liegt.
00:04:16: Dass hier irgendwas Seffigmäßiges abgegangen sein muss zwischen den beiden Frauen, weil da eben noch so viel Schmerz und Spannung und Ungeklärtes in der Luft liegt Tja aber dann kam ich aus dem Film raus habe Reaktionen dazu gelesen Und gemerkt dass viele gar nicht gesehen zu haben scheinen dass die beiden Frauen im Mittelpunkt dieses Films eine ungelebte Liebe verbinden könnte.
00:04:44: Es gibt in diesem Film halt auch keine explizite Szene, es gibt keinen Kuss und nichts was explizit lesbisch wird.
00:04:53: Aber diese Spannung, die ich gerade beschrieben habe – diese offensichtliche Vergangenheit, die sie teilen mit so viel Verletzung, das ist halt so intensiv, dass ich als queere Person darin nicht einfach nur eine Freundschaft sehen kann.
00:05:10: Nicht einfach nur, ja das sind halt zwei Frauen und irgendwie waren die wohl mal befreundet?
00:05:14: Nee!
00:05:14: Das ist mir irgendwie deutlich zu wenig für das was ich da beobachte.
00:05:21: Und das erscheint mir dann halt wie so ein ganz altes Herunterspielen von lesbischer Liebe Von lesbischersichtbarkeit Indem man Frauen den ihrem Verhalten miteinander und untereinander eben oft näher sind und sich auch näher kommen als Männerfreunde es so untereinander tun, dass man die deswegen so gerne als nur Freundschaft tituliert.
00:05:48: Statt eine mögliche sexuelle oder romantische Spannung anzuerkennen.
00:05:53: Dieses als erstes Denken?
00:05:56: Nee das ist nichts!
00:05:58: Das regt mich halt auf... Wenn man jetzt zum Beispiel dagegen eine männliche und eine weibliche Figur sehen würde, sagen wir mal es wäre jetzt nicht Mother Mary sondern Father Mary der ein Kleid von einer Designerin haben möchte.
00:06:12: Ich bin mir sicher!
00:06:13: Hundert Prozent dass die Leute dann auf eine romantische oder sexuelle Konnotation schließen würden.
00:06:20: Hundert pro würden die Leute sofort sagen ja ja die beiden verbindet eine Liebe.
00:06:26: hundert Prozent.
00:06:28: Und mich irritiert und mich regt auch auf, warum viele Menschen diese Möglichkeit eben überhaupt nicht im Betracht ziehen.
00:06:35: Dass man hier wenn etwas nicht explizit wird einfach ignoriert dass es da eine queere Ebene geben könnte.
00:06:43: Ist Mother Mary jetzt also weniger queer?
00:06:46: Ist eine Story Wenn sie nicht expliziert wird Weniger Queer Weil viele Menschen sie eben nicht für queer halten.
00:06:57: Ich habe zwei weitere Beispiele, die mich jetzt schon seit ein paar Jahren begleiten.
00:07:01: Wicked und House of the Dragon.
00:07:04: Lustig, die beiden so in einem Atemzug zu nennen weil sie so komplett unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.
00:07:11: Das eine ist ein buntes Musical das andere ja eine düstere ich würde mal sagen durchaus männlich dominierte mittelalter Fantasy Geschichte.
00:07:24: aber Beide teilen sich eine ganz zentrale Beziehung in der Mitte der Story.
00:07:30: Zwei Frauen, die sehr eng miteinander waren aber durch die Umstände und die Gesellschaft getrennt werden und dann zu Feindinnen gemacht werden.
00:07:40: Da haben wir Glinda und Elfa bei ein Wicket und Renira und Alison In House of the Dragon.
00:07:47: Und in beiden Fällen sehe ich mit meinem sapphic Blick auf die Welt zwei Frauen, dass eine einfache Freundschaft übersteigt, eine Spannung ein immer wieder umeinander kreisen das von so einer dramatischen Intensität ist.
00:08:07: Der sich wirklich beim besten Willen nicht nur von Freundschaft sprechen kann und mir es wichtig einmal klarzustellen der sich Freundschaft an sich überhaupt nicht kleinreden möchte Weil ich weiß, es gibt jetzt auch viele Leute die sagen ja aber das ist auch so wichtig dass man irgendwie mal weibliche Freundschaften in den Fokus einer Geschichte stellt.
00:08:31: Ich glaube ja Freundschaft sind super wertvoll und wenn wir Glück haben begleiten sie uns auch ein Leben lang.
00:08:39: Aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass es nicht der Mangel an weiblichen Freundschaftens ist in unseren Geschichten, die uns umgeben sehen.
00:08:48: Sondern tatsächlich immer noch eher der Mangel dass wir oder viele Menschen nicht die Möglichkeit im Betracht sehen das eine intensive Beziehung zwischen zwei Frauen halt mehr sein könnte als Freundschaft.
00:09:01: Freundschaften sind toll und können intensiv sein und man fühlt sich verbunden auf jeden Fall.
00:09:06: aber wo ich ihm gegenreden möchte ist dass man bei einer intensiven Frauenbeziehung die nicht explizit lesbisch wird automatisch die Schublade Freundschaft aufmacht.
00:09:18: Denn das untergräbt so sehr die Komplexität der queeren Gefühlswelt.
00:09:24: und vielleicht ist es, dass der Kerngedanke dieser ganzen Gedanken, die ich jetzt gerade hier so ausgesprochen habe Das Quiere erleben und fühlen Ist komplex Und viele Leute da draußen haben das immer noch nicht auf dem Schirm.
00:09:40: Sie nehmen das was an der Oberfläche ist und gucken nicht weiter dahinter geben sich damit und mit meistens dieser heteronormativen Sicht zufrieden.
00:09:52: Und irgendwie bringt mich das innerlich in eine Zwickmühle, denn einerseits liebe ich zum Beispiel Wicked und auch aus of the Dragon gerade weil sie diese komplexen Frauenbeziehungen in ihrem Kern haben.
00:10:05: Weil Sie nicht so einfach sind!
00:10:07: Weil Sie zum genaueren Hinsehen einladen.
00:10:09: Weil sie so aufgeladen sind mit unausgesprochenem... Aber andererseits nervt mich so sehr, wenn ihnen ihre Selfie-Qualität abgesprochen wird.
00:10:21: Weil sie eben nicht explizit und so für jeden Menschen ersichtlich werden!
00:10:26: Ich glaube auch Six.
00:10:27: dagegen würden weniger Menschen eine innerente Queeness absprechen – vielleicht weil Six sich ziemlich direkt an ein eher weibliches Publikum richtet und halt für Female Empowerment steht?
00:10:40: Deshalb von Anfang an eben kein Male-Centrism oder auch toxische Männlichkeit im Fandom auftauchen, wie es jetzt zum Beispiel bei House of the Dragon der Fall ist.
00:10:51: Und weil's bei Six auch keine Romance gibt!
00:10:54: Klar, alle waren mit Henry verheiratet und singen auch von Affären mit Männern.
00:10:59: Aber nichts davon ist eine Romance die Leute jetzt irgendwie schippen könnten!
00:11:04: Das ist nicht wie bei Wicked Elferbar und Fierro, die es dann Elfer bar und Glinderschwer machen.
00:11:10: Es gibt kein Kanon der einer queeren Interpretation im Weg steht.
00:11:14: Bei Six liegt der queere Gehalt in keiner Beziehung, sondern in dem geteilten Gefühl der Queeren-Community sich erst einmal sichtbar machen zu müssen.
00:11:27: Und das ist letztlich auch das Gefühl was mich hier offenbar umtreibt.
00:11:32: Erst mal sichtbaren zu müssen, dass bestimmte Geschichten eine Querebene haben!
00:11:39: dass es Queerness gibt, auch da wo sie nicht explizit ist.
00:11:45: Ich glaube nicht das diese Diskrepanz herrscht weil queere Menschen überall nach Queerness suchen und quasi hineindichten in Anführungszeichen was vielleicht manche Leute so meinen die eben keine Queerness darin erkennen können.
00:12:01: ich glaube aber Queeremenschen erkennen einfach Muster wieder aus ihrem eigenen Leben Und wer empathisch ist, der kann das wahrscheinlich auch nachempfinden selbst wenn man selber diese Erfahrung nicht gemacht hat.
00:12:17: Dadurch liegt Queerness eben manchmal nicht in dem was eine Geschichte ausdrücklich erzählt sondern in dem etwas zwischen ihren Zeilen passiert und es macht sie dann nicht mehr oder weniger queer.
00:12:29: Tja also was denkt ihr?
00:12:31: kennt ihr solche Beobachtungen?
00:12:33: Habt ihr auch manchmal das Gefühl ihr erkennt queere Seiten einer Geschichte aber So viele andere eben nicht?
00:12:41: Schreibt mir gerne und falls es noch nicht tut, folgt mir auch gern bei Instagram und TikTok.
00:12:46: Und bis dahin wünsche ich euch ganz viel Liebe, Eure Lina!
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