Gaydar oder Wishdar?
Shownotes
Gibt es wirklich einen Gaydar – also eine Art sechsten Sinn, mit dem wir erkennen können, ob jemand queer ist? Oder verlassen wir uns dabei vor allem auf Stereotype, kulturelle Codes und unser eigenes Wunschdenken?
In dieser Folge gehe ich der Frage nach, was die Wissenschaft über den vermeintlichen Gaydar sagt, wie queere Menschen einander früher erkannt haben und warum ich bei manchen Frauen vielleicht eher einen Wishdar als einen Gaydar habe…
Außerdem frage ich mich: Warum wollen wir eigentlich so gerne erkennen, ob andere Menschen queer sind - während wir selbst vielleicht gar nicht immer als queer erkannt werden möchten?
Eine Folge über Intuition, Vorurteile, sapphic Begehren und unseren Wunsch nach Zugehörigkeit und Sichtbarkeit.
Glaubt ihr, dass ihr einen Gaydar habt?
Meine sapphic Romane:
Sapphic Romance mit Mystery & History:
Sapphic Abenteuer-Lovestory:
Coming-out Roman:
Hast du Fragen, Wünsche oder möchtest mich einfach kontaktieren? Dann lass uns connecten! :) Folge mir bei…
Instagram: frauverliebt
Facebook: frauverliebt
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen zu Frau Verlieb dem lesbischen Podcast und heute habe ich mir ein Thema vorgenommen, das wir bestimmt alle kennen.
00:00:09: Der berühmte Gaydar.
00:00:10: können wir anderen Menschen irgendwie ansehen?
00:00:15: Können wir irgendwie erspüren ob sie queer sind oder nicht?
00:00:19: Damit habe ich mich ein bisschen beschäftigt und ein paar... Ich hoffe für euch auch interessante Gedanken gehabt!
00:00:25: Viel Spaß mit der Folge.
00:00:34: Gibt es eigentlich so etwas wie einen Gay da?
00:00:39: Also die Fähigkeit zu spüren, ob ein anderer Mensch queer ist ohne dass diese Person es eben erzählt.
00:00:47: Ich glaube wir in der queeren Community kennen dieses Phänomen man begegnet jemanden und sieht jemanden oder hält sich sogar vielleicht kurz muss aber nur nicht mal sein und man hat so ein Feeling.
00:01:03: Aber woher kommt so ein Feeling eigentlich?
00:01:07: Ist da etwas dran, haben wir eine Art sechsten Sinn um zu erkennen wenn andere Menschen auch queer sind?
00:01:14: oder nehmen wir vielleicht unterbewusst irgendwelche Signale wahr.
00:01:20: Oder ist dieser berühmte Gader am Ende vielleicht doch einfach nur eine Ansammlung von Klischees?
00:01:30: Ich kam auf die Idee, mich mal mit dem Thema ein bisschen zu befassen weil ich ein Gespräch mit einer Freundin von mir hatte.
00:01:37: Die eine neue Arbeitsstelle angefangen hat und dadurch auf neue Leute, neuer Kollegenkreis getroffen ist und dann ziemlich am Anfang auf irgendwie so ner Party mit den anderen Mitarbeitenden war und die halt ganz fresh oberflächlich neu kennengelernt hat.
00:01:56: Und ich weiß, wir saßen dann irgendwann später mal zusammen und sie scrollte durch ihr Instagram und wollte sich das Profil da von einem dieser neuen Kollegen angucken.
00:02:08: Weil sie meinte der ist wahrscheinlich queer!
00:02:12: Und das war spannend weil dann könnte sie mit dem ja vielleicht darüber bonden so eine Art von Anschluss suchen.
00:02:20: Und irgendwie fand ich das total interessant.
00:02:22: also sie hat... Da war keinerlei Dass im Gespräch.
00:02:26: irgendwie angesprochen wurde, dass der Kollege irgendein Freund hätte oder sonst was.
00:02:30: Gar nichts!
00:02:31: Sie hatte einfach nur so ein Gefühl Ja und dann habe ich mich gefragt woran macht man das denn eigentlich fest?
00:02:39: Und ist es nicht auch spannend, dass dann direkt nach Hinweisen gesucht wird?
00:02:44: also dass man dann irgendwie von dem Gefühl ausgehend losgeht um dann zu gucken finde Ich Bestätigung für das was ich fühle?
00:02:55: Naja, und so kam ich dann halt auf die Idee mich mit dem Thema mal für den Podcast zu beschäftigen.
00:03:01: Also was ist eigentlich ein Gader?
00:03:04: Ja das Wort beschreibt die vermeintliche Fähigkeit die sexuelle Orientierung eines anderen Menschen intuitiv zu erkennen.
00:03:13: Und dieses Wort habe man geschaut dass kursiert schon so ungefähr seit den achtziger Jahren.
00:03:18: So keiner kann jetzt so richtig sagen wie es entstanden ist aber seitdem Es ist etwas, was gerade in unserer Queering-Community doch öfter mal auf den Tisch kommt.
00:03:29: Aber was steckt denn jetzt eigentlich dahinter?
00:03:33: Können wir tatsächlich etwas wahrnehmen das uns Hinweise auf die sexuelle Orientierung eines Menschen gibt oder haben wir halt einfach bestimmte Vorstellungen davon wie queere Menschen aussehen oder sich verhalten?
00:03:48: weil Wir kennen ja alle solche Klischees.
00:03:52: Der schwule Mann, der eben besonders viel Geschmack hat und sich so schön kleidet oder die lesbische Frau, die natürlich kurze Haare hat und Flanellhemden trägt.
00:04:05: Und wir wissen gleichzeitig diese Klischee es gibt's.
00:04:09: aber das trifft dennoch nicht auf alle zu!
00:04:14: Auch wenn sie auf alle zutrifft ist es gleichzeitig dass die Bilder auch nicht aus dem Nichts entstanden sind.
00:04:21: So, manche queere Menschen drücken ihre Identität ja wirklich bewusst zum Beispiel durch Kleidung oder bestimmte Verhaltensweisen aus.
00:04:30: also irgendwie ist an beidem was dran.
00:04:34: Was sagt denn die Wissenschaft zum Geh da?
00:04:38: Tatsächlich haben sich Psychologinnen und Psychologen schon ein paar Mal auch schon vor Jahrzehnten mit dieser Frage beschäftigt.
00:04:46: Ich habe halt mal so ein bisschen rumgesucht und was ich gefunden habe.
00:04:54: In der Studie in der sie untersuchten, ob Menschen die sexuelle Orientierung anderer anhand kurzer Beobachtung einschätzen können.
00:05:10: Dafür zeigten Sie Versuchspersonen zum Beispiel stumme Videoaufnahmen die ein paar Sekunden lang waren, teilweise auch nur Standbilder.
00:05:20: Und was kam dabei raus?
00:05:22: Unter bestimmten Bedingungen konnten die Versuchspersonen die sexuelle Orientierung häufiger richtig einschätzen als man es erwarten würde.
00:05:33: Dabei waren kurze bewegte Aufnahmen aufschlussreicher als die Standbildern.
00:05:39: Was darauf hindeutet das Nonverbale Signale durchaus eine Rolle spielen, sowas wie Gestik, Bewegung, Körpersprache.
00:05:48: Auch interessant in einigen dieser Versuche schnitten lesbische Frauen und schwule Männer besser ab als die heterosexuellen Versuchspersonen.
00:05:58: So was natürlich die Frage nahe liegt kann das sein dass queere Menschen tatsächlich etwas wir einen besseren Gator haben?
00:06:09: Natürlich ist es nicht ganz so leicht.
00:06:12: Eine Untersuchung, die in den Jahren ist, online bei der American Psychological Association veröffentlicht wurde.
00:06:21: Da ging es um den Auditorygator – die Frage ob man die sexuelle Orientierung anhand der Stimme einschätzen kann!
00:06:31: Die Versuchspersonen hörten sich kurze Sprachaufnahmen an und sollten dann eben beurteilen die Stimme der Person zu jemandem, der heterosexuelle oder homosexuell ist gehört.
00:06:42: Oder beziehungsweise wo sie auf einer Skala sie einordnen würden.
00:06:48: und hier zeigte sich kein genereller Vorteil für die queeren Versuchspersonen.
00:06:54: aber es gab doch einen Unterschied denn die queere und heterosextuellen Menschen haben sich darin unterschied wie sie andere einordneten.
00:07:05: Die Queerenteilnehmenden gingen weniger selbstverständlich davon aus, dass andere Menschen heterosexuell sein und das ist ja wieder ein ganz interessanter Gedanke denn der spricht dafür, dass wir als queere Menschen vielleicht nicht unbedingt einen besseren Gader haben aber dass wir generell offen dafür die Möglichkeit sind, dass andere Menschen ebenfalls Queer sein könnten.
00:07:33: Denn Heterosexualität gilt ja in unserer Gesellschaft als der Normalfall und wenn uns jemand nichts anderes erzählt dann gehen wir erst mal davon aus das die Person hetero ist.
00:07:45: aber Wenn man selber queer ist hat man vielleicht schon längst stärker verinnerlicht Man menschen ihre sexuelle Orientierung eben nicht so direkt ansieht und das hinter einem vermeintlich heterosexuellen Auftreten durchaus trotzdem eine queere Person stecken kann.
00:08:01: So, d.h.
00:08:03: aber eben nicht dass wir einen besseren Gader haben sondern eher eine andere Erwartungshaltung.
00:08:12: Die Forschenden untersuchten unter anderem, welche Rolle Stereotype bei der Einschätzung sexueller Orientierung spielen.
00:08:27: Und sie fanden heraus, dass Menschen sich stark von Stereotypes leiten lassen!
00:08:34: Wenn den Versuchspersonen zuvor vermittelt wurde – Der Gader sei eine echte Fähigkeit – griffen Sie anschließend stärker auf Stereotypezuschreibung zurück.
00:08:46: Wenn ihn aber erklärt wurde, dass der Gader möglicherweise einfach eine andere Bezeichnung für Stereotypisierung ist, nahmen solche Zuschreibungen ab.
00:08:58: Und das ist doch auch wieder irgendwie interessant weil das heißt letztlich, dass plötzlich nur weil man denkt, der Gator ist eine Sache kann aus einem Vorurteil was man hat das Gefühl von Intuition werden so dass man nicht mehr denkt Ah, dieser Mann ist irgendwie wahnsinnig modisch.
00:09:18: Vielleicht ist er schwul?
00:09:20: Sondern man denkt... Oh mein Gay!
00:09:21: Da sagt mir das er Schwul is'.
00:09:23: So und das fühlt sich dann für die persönliche Schlussfolgerung halt ganz anders an.
00:09:30: aber es gibt grundsätzlich Probleme mit allerlei dieser Studien- und Experimente weil in vielen Studien eben immer eine künstlich zusammengestellte Gruppe zusammenkommt so sie beispielsweise gleich viele homosexuelle und heterosexuelle Menschen beinhaltet.
00:09:50: Aber so sieht die Welt außerhalb von dieser Test-Situation natürlich nicht aus, wenn ich im Alltag jetzt zehn fremden Menschen begegne dann ist halt nicht automatisch die eine Hälfte Homo und die andere hälfte Hetero.
00:10:04: Dadurch entsteht immer schon irgendwie ein Gap zur Realität.
00:10:08: Und selbst wenn mein Gader in einem Experiment häufiger richtig liegen würde als der Zufall dann könnte ich im Alltag trotzdem bei vielen Menschen daneben liegen.
00:10:19: So, außerdem ist es so dass in den Studien sexuelle Orientierung stark vereinfacht wird und oft nur zwischen Homo- und Hetero unterschieden wird Und das ignoriert natürlich alle Möglichkeiten die sonst noch gibt sei es bisexuell, pansexuell oder eben welche Identität auch immer.
00:10:37: Was nehmen wir jetzt also aus dieser Forschung mit?
00:10:41: Ich würde sagen Es gibt Hinweise darauf, dass Menschen unter bestimmten Bedingungen die sexuelle Orientierung anderer etwas besser einschätzen können.
00:10:53: Aber es gibt nicht wirklich einen Beleg für ein universellen Gader der uns die Identität anderer Menschen verrät und da muss man halt eben dann auch aufpassen das man Intuitionen nicht mit Wissen verwechselt.
00:11:11: Und jetzt möchte ich noch etwas gestehen.
00:11:14: Das klingt jetzt irgendwie größer als es ist, aber ich persönlich glaube dass mein Gader nicht gut ist.
00:11:20: Auch noch nie gut war und ich keinen Gespür dafür habe ob jemand queers oder nicht.
00:11:28: Ich kann natürlich auch von bestimmten oftmals Klischees Vermutungen anstellen Aber wenn ich keine Klischee sehe dann bin ich auch vollkommen lost Und ich hab die vermutung über mich dass mein Gader auch von Wunschdenken beeinflusst wird.
00:11:49: Also vor allem dann, wenn ich eine Frau attraktiv finde, dann bin ich glaube ich besonders bereit die Möglichkeit offen zu halten das sie vielleicht auch auf Frauen steht.
00:12:02: Vielleicht kennt ihr das ja?
00:12:07: Es ist halt einfach dieses Ding man weiß es nicht.
00:12:09: und wenn man jetzt jemanden trifft die ist wirklich interessant und attraktiv, dann möchte man ja vielleicht auch irgendwie gerne die Möglichkeit offen haben, dass sie auf Frauen steht.
00:12:20: Weil sonst ist die Enttäuschung direkt wieder sehr groß!
00:12:25: Und in der Regel fängt man dann vielleicht auch an nach möglichen Hinweisen und vermeintlichen Beweisen zu suchen.
00:12:34: Das kann alles Mögliche sein.
00:12:37: Es könnte einfach sein, etwas trägt, was man irgendwie mit queerer Kultur verbindet.
00:12:43: Irgendwie in ein Ring an einer bestimmten Stelle oder einem Regenbogenflagge um jetzt was ganz Plakatives zu machen als irgendwie so einen kleinen Pin irgendwo, was auch immer.
00:12:53: Oder vielleicht ist es auch viel subtiler.
00:12:55: und sie erzählt von einem Film den man selbst zum Beispiel total sappic gelesen hat und plötzlich denkt man eben ah interessant!
00:13:06: Dabei weiß ich eigentlich selber dass Diese Hinweise überhaupt nichts heißen müssen.
00:13:13: Jetzt mal richtig Klischee gedacht, zum Beispiel eine Frau die Fußball spielt ist nicht automatisch lesbisch.
00:13:21: Selbst wenn uns einige Beispiele einfallen wo es so ist.
00:13:24: aber es gilt eben nicht für alle.
00:13:26: gleichzeitig gilt auch andersrum selbst wenn die Angebetete zB Mal einen Freund hatte muss das nicht unbedingt das Ende bedeuten sie könnte ja auch bisexuell sein.
00:13:38: Also ihr merkt, es gibt Möglichkeiten die man durchspielen kann.
00:13:45: Und solange eine Person sich selber nicht klar einordnet vor uns können wir's eben nicht wissen müssen wir vielleicht auch nicht.
00:13:55: also jetzt kein Zwang dass man bei jedem Menschen einsteigen muss wie wohl die Orientierung aussieht.
00:13:59: aber ich bin mir sicher ihr kennt dieses Interesse was man da manchmal hat und dadurch habe ich so das Gefühl dass der Gader manchmal vielleicht auch einfach ein Wish da ist.
00:14:13: Der reagiert halt mit, ach das wäre doch schön wenn!
00:14:17: Dafür gibt es übrigens auch Erklärungsansätze aus der Psychologie.
00:14:23: Ein Begriff ist Motivated Reasoning.
00:14:26: Damit beschreibt die Psychologie, dass unsere Wünsche und Ziele beeinflussen können wie wir Infos verarbeiten.
00:14:33: Wenn wir uns ein bestimmtes Ergebnis wünschen neigen wir manchmal dazu die Hinweise, die dafür sprechen stärker zu gewichten als solche, die dagegen sprechen.
00:14:43: Und ich glaube auch das ist sowas – das kennt man aus komplett anderen Kontexten.
00:14:47: und zum Beispiel Thema Politik.
00:14:50: Wenn jetzt z.B.
00:14:50: eine Partei kritisiert wird mit der man selber aber irgendwie sympathisiert dann ist man vielleicht geneigt dazu, die Sachen dann herunterzuspielen oder direkt nach Gegenbeweisen zu suchen eben weil man motiviert ist die Sache anders zu interpretieren.
00:15:09: Weiteres Phänomen, das ähnlich ist, ist der sogenannte Confirmation-Bias – Der Bestätigungsfehler und das ist eher ein unbewusster Prozess durch den wir stärker Informationen wahrnehmen, die bereits eine bestehende Vermutung von uns bestätigen.
00:15:27: Also es ist wirklich etwas, was gar nicht so sehr bewusst gesteuert wird.
00:15:31: Aber wenn wir halt denken die Dinge sind so und so dann nehmen wir auch nur die Dinge wahr, die genau das bestätigen.
00:15:39: So Das ist auch ein bisschen... ich weiß nicht Kennt ihr vielleicht auch?
00:15:43: Wenn man irgendwie mit einem Thema sich intensiv beschäftigt hat Und vorher halt nicht Auf einmal ab dem Moment wo dieses Thema bei einem vorne im Bewusstsein liegt sieht man das ständig im Außen.
00:15:55: So keine Ahnung irgendwie.
00:15:58: Beispiel Babys.
00:16:01: Man hat sich noch nie mit dem Thema Kinderkriegen und Babies vorher beschäftigt, auf einmal tut man es und plötzlich sieht man draußen nur noch schwangere Frauen und kleine Babys so.
00:16:10: Und da hat sich natürlich nicht wirklich was im Außen verändert.
00:16:12: das ist einfach was in unserem Kopf abgeht, was unsere Wahrnehmung beeinflusst.
00:16:18: also unsere Wahrnehmungen sind nicht immer einfach neutral Sie wird geprägt und geleitet von unseren Annahmen und Wünschen.
00:16:30: Aber ich würde mich auch dagegen wehren, ein Wish da ausschließlich halt als Naja das ist Wunschdenken abzutun weil vielleicht möchte ich auch einfach nicht automatisch davon ausgehen dass jede Frau die mir begegnet heterosexuell ist.
00:16:50: so Vielleicht ist es ja auch das wofür ich hier irgendwie einstehe und wofür ich meinen Content mache, meine Bücher schreibe weil ich eben dafür bin dass wir dieses Denken ablegen.
00:17:03: So!
00:17:05: Ich mein es ist was anderes ob ich behaupte eine Frau sei bestimmt, bestimmt lesbisch oder ob ich einfach die Möglichkeit offen halte das sie Queer sein könnte.
00:17:15: Vielleicht ist mein Gader, mein Wish da ja auch einfach ein Optimist.
00:17:21: Reden wir doch jetzt ein bisschen über Queere Codes Weil jetzt ging es die ganze Zeit darum, ob man Hinweise irgendwie wahrnehmen, umdeuten, irgendwas in sich hineininterpretieren kann.
00:17:31: Aber natürlich gibt es auch wirklich Zeichen, die queere Menschen ganz bewusst verwenden, um sich gegenseitig zu erkennen.
00:17:40: Weil gerade in den früheren Zeiten, in denen Homosexualität gesellschaftlich absolut inakzeptabel war, vielleicht auch strafrechtlich verfolgt wurde, konnte es wichtig sein, andere queere zu erkennen, ohne sich gegenüber allen Menschen offenbaren zu müssen.
00:17:59: Und dadurch entstanden bestimmte Symbole auch Kleidungsstile und eben Codes.
00:18:05: Ein schönes Beispiel sind Feilchen.
00:18:08: die haben eine lange Verbindung zur Suffic-Kultur.
00:18:12: schon Die Dichterin Sappho erwähnte Feilchien in ihrer Lyrik und im frühen zwanzigsten Jahrhundert wurde sie erneut mit romantischer Liebe zwischen Frauen verbunden.
00:18:22: Pfeilchen konnten dadurch eine symbolische Bedeutung bekommen, die halt über diese Blume selbst hinausging.
00:18:28: Anderes Beispiel Grüne Nelke – Die Ende des neunzehnten Jahrhunderts mit Oscar Wilde und seinem Umfeld assoziiert wurde.
00:18:37: Es gab später auch den sogenannten Hanky Code.
00:18:40: dabei trugen schwule Männer in bestimmten Subkulturen Taschentücher in verschiedenen Farben in Hosentaschen Und je nach Farbe.
00:18:49: Das eben Trug, konnte das unterschiedliche sexuelle Vorlieben oder Rollensignalisieren.
00:18:54: Also ein bewusst verwendetes Zeichensystem quasi!
00:18:59: Auch in der lesbischen Community gab es solche Codes.
00:19:02: Ein Beispiel ist der Karabinerhaken am Schlüsselbund.
00:19:06: Den kennt man glaube ich heute auch noch.
00:19:08: Der wird seit langem mit lesbischer... ...auch insbesondere maskuliner Butchkultur in Verbindung gebracht.
00:19:15: Oder eben bestimmte Ringe Kleidungsstil und Assessoires.
00:19:20: Die Historikerin Eleanor Matthurst hat sich intensiv mit lesbischer Modegeschichte beschäftigt und beschreibt, wie Kleidung und Assессoires sowohl Ausdruck der eigenen Identität als eben auch ein Signal an andere queere Menschen sein können.
00:19:36: Und das finde ich halt interessant weil es zeigt dass bestimmte Stereotype durchaus einen kulturellen Ursprung haben können so wenn wir beispielsweise kurze Haare, maskulinere Kleidung mit lesbischen Frauen verbinden.
00:19:53: Dann nichts eben auch daran dass solche Ausdrucksformen tatsächlich eine Rolle gespielt haben.
00:20:00: aber es bedeuten natürlich nicht das jetzt jede Frau mit kurzen Haaren und maskuliner Kleidungen lesbisch ist.
00:20:06: so Und umgekehrt gibt's unzählige lesbische Frauen die überhaupt nicht dementsprechend was irgendwie klischeehaft zu einer Lesbe gehört.
00:20:15: So, ich würde mich auch selber eher zu den Frauen zählen bei denen die meisten Menschen nicht auf den ersten Blick annehmen würden dass sich lesbisch bin.
00:20:25: und das bringt uns halt auch zu dem Problem mit solchen Codes Die funktionieren nur wenn beide Seiten die Bedeutung kennen Und wenn das Zeichen dann tatsächlich bewusst verwendet wird.
00:20:37: Ein Karabiner kann ein lesbisches Erkennungszeichen sein oder halt einfach ein Karabine.
00:20:43: Und ich glaube heute ist das Ganze sogar nochmal ein Stück komplizierter geworden, weil eben viele von diesen queeren Symbolen und damit kulturellen Referenzen einfach längst im Mainstream angekommen sind.
00:20:57: Was ja toll ist!
00:20:58: Aber stellt uns eben auch wieder vor Herausforderungen.
00:21:02: Denn wenn jetzt zum Beispiel... Dem wird das Beispiel wieder, du hast eine attraktive Frau kennengelernt und du weißt jetzt einfach nicht ob sie auch auf Frauen steht.
00:21:10: Und du fängst es schön und dann hörst du dass die Chapel Roan hört?
00:21:14: Ja!
00:21:14: Das bedeutet aber absolut nicht automatisch, dass sie queer ist.
00:21:18: oder wenn Sie sich für eine Selfie-Serie interessiert.
00:21:21: Das kann ein Hinweis auf eine gemeinsame kulturelle Welt sein, aber kein Beweis für eine sexuelle Orientierung.
00:21:31: Und eben selbst der angesprochene Regenbogenpin kann bedeuten, dass jemand selber queer ist oder einfach das er ein Ally ist.
00:21:40: Also vielleicht können wir manchmal tatsächlich Signale senden und erkennen aber wir wissen trotzdem nicht automatisch was die Person damit ausdrücken möchte.
00:21:51: Und es bringt mich zu der Frage über dich bei der Vorbereitung dieser Folge selbst nachgedacht habe Wollen wir eigentlich erkannt werden?
00:22:00: Denn jetzt mal ab von dem Gedanken, ob wir bei anderen Menschen erkennen können.
00:22:04: Ob sie queer sind Was ist denn damit?
00:22:08: Ob wir selber eigentlich überhaupt erkannt werden wollen?
00:22:12: so Denn wenn ich jetzt über mich nachdenke habe Ich ja gerade auch schon erwähnt.
00:22:17: Ich glaube die meisten Leute sehen mir das nicht an So die wenigsten leute.
00:22:21: ich weiß nicht ob es überhaupt irgendjemand wenn hab ich auf der Straße sieht ansiedig bezweifle es irgendwie weil Ich trage in der Regel halt auch nichts von diesen Erkennungssymbolen.
00:22:33: Und das mache ich vielleicht mal zum Pride, ne?
00:22:36: Zum Pride ziehe ich gerne mein T-Shirt mit einer Regenbogenflage an so aber im normalen Alltag mach' ich...das nicht.
00:22:43: und ich glaube es liegt halt auch daran dass ich tatsächlich gar nicht so gerne erkannt werden möchte.
00:22:50: So!
00:22:50: Dass ich irgendwie in der Hinsicht ein kleiner Schisser bin und lieber Unterradar fliege, als nachher irgendwem aufzufallen der mir unangenehm kommt.
00:23:02: Beim Pride ist das was anderes weil da bin ich ja unter vielen queeren Menschen so da.
00:23:06: Da sind wir eine Gemeinschaft, da fühle ich mich sicher.
00:23:11: aber wenn ich im Alltag jetzt in einem Regenbogen-T-Shirt durch die Stadt laufe dann mache ich halt etwas über mich sichtbar was möglicherweise auch Leute wahrnehmen von denen ich nicht weiß wie sie darauf reagieren Und da habe ich halt auch keine Lust drauf tatsächlich.
00:23:28: Ich möchte also selber entscheiden können, wann ich meine Queerness irgendwie nach außen trage und da liegt ja auch was Interessantes an der Geschichte queerer Codes drin weil diese Codes die dienten nicht nur dazu von anderen erkannt zu werden sondern sie dientten auch dazu nicht von allen erkannt.
00:23:52: Ein Zeichen konnte für Menschen innerhalb der Community eine ganz bestimmte Bedeutung haben.
00:23:58: Aber alle anderen konnten damit gar nichts anfangen, es war eine Möglichkeit sich sichtbar zu machen aber auch gleichzeitig unsichtbar bleiben.
00:24:06: und ich glaube das ist sehr wahrscheinlich auch heute noch ein Bedürfnis oder heute sogar wieder ein bedürfenes wo wir in diesen Zeiten leben wo man irgendwie immer mehr das Gefühl hat die Leute um einen herum werden von den Rechtspopulisten eingefangen.
00:24:22: Ja, es ist schwierig.
00:24:24: Es ist super schön wenn man andere queere Menschen erkennt und dadurch kann ein Gefühl von Verbundenheit entstehen und wie gesagt wir suchen nach Zeichen und nach Signalen und nach dem Gefühl das da noch jemand ist der eine bestimmte Erfahrung mit einem teilt.
00:24:40: aber irgendwie ist es ja genauso wichtig dass jeder Mensch selber entscheiden kann wann und wie viele von seiner Identität überhaupt preisgeben möchte.
00:24:51: Also was bleibt jetzt nach diesen ganzen Überlegungen von dem berühmten Gaydar?
00:24:56: Gibt es ihn oder gibt sie nicht?
00:24:58: Ich würde sagen, vielleicht gibt es zumindest bestimmte Dinge die wir wahrnehmen können.
00:25:05: Manche Menschen verwenden bewusst bestimmte Signale manche Verhaltensweisen oder Ausdrucksformen kommen innerhalb bestimmter Gruppen irgendwie häufiger vor und unter bestimmten Bedingungen können Menschen die sexuelle Orientierung anderer tatsächlich etwas besser als rein zufällig einschätzen.
00:25:25: Aber daraus ergibt sich kein sechster Sinn und ich finde fast noch interessanter, was unser Gader über uns selber verraten kann denn vielleicht zeigt er welche Vorstellungen wir von queeren Menschen haben, welche Stereotype wir verinnerlicht haben, welche Erfahrungen wir schon gemacht haben Und manchmal eben auch, was wir uns wünschen.
00:25:51: Wenn ich eine Frau attraktiv finde und mich frage ob sie vielleicht ebenfalls auf Frauen steht dann sagt das zunächst einmal mindestens genauso viel über mich aus wie über Sie.
00:26:01: Vielleicht möchte ich einfach dass die Möglichkeit besteht.
00:26:06: Das ist doch eigentlich nicht schlimm oder?
00:26:10: Solange ich mir bewusst mache dass meine Haltung keine Gewissheit ist.
00:26:14: so Ein kurzer Haarschnitt beweist keine sexuelle Orientierung.
00:26:19: Kulturelle Codes können missverstanden werden und dass ich einen Menschen halt nicht kenne, nur weil ich glaube etwas erkannt zu haben.
00:26:30: Vielleicht ist unser Gader also weniger ein Radar sondern manchmal auch ein Spiegel von unseren eigenen Erfahrungen, von unseren Vorstellungen und von unseren Sehnsüchten.
00:26:45: Und jetzt würde mich natürlich interessieren, wie ist das bei euch.
00:26:48: Glaubt ihr dass ihr einen guten Gator habt?
00:26:51: Hast du schon mal jemandem sofort als Queer eingeschätzt und lagst damit richtig oder vielleicht auch komplett daneben?
00:26:58: Und kennt ihr dieses Wunschdenken?
00:27:02: wenn man jemanden attraktiv findet und hofft Dass sie vielleicht ebenfalls auf Frauen steht Schreibt mir gerne eure Erfahrung am liebsten über Instagram.
00:27:11: Ihr findet mich aber auch bei TikTok Euer Gator besser ist als meiner.
00:27:18: Bis dahin, ciao ciao!
Neuer Kommentar